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Interview mit Bad Gyal Cecile - Cecile
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Interview mit Bad Gyal Cecile
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Cecile at Kingstone Sound Cecile at Kingstone Sound Cologne
Big Up! Hier in Köln gibt es viele Schwule. Im Moment gibt es auch ein großes Kulturprojekt … den ganzen Monat über mit einer Parade. Bei solchen Feiern gibt es auch Bands, auch Reggae Artists, wie stehst du zu sowas? Was hälst du von dieser Bewegung?
Cecile: Es ist ein freies Land, wer demonstrieren will soll demonstrieren. Das ist mir egal.

Big Up! Würdest du bei einem Gay-Festival auftreten?
Cecile: Auf jeden Fall! Ich trete für Menschen auf, ist doch egal, ob sie schwul sind. Sind da nur Schwule? Aber selbst dann würde ich auftreten, ich brauche Geld. Es ist mir auch egal in welche Kirche jemand geht oder welche Hautfarbe er hat. Ich habe ein riesiges  Problem mit Pedophilen. Wenn jemand mich zu einer Gay-Talkshow einladen würde – warum nicht? Es ist eine Talkshow – ich finde es sogar bescheuert, ein Wort davorzusetzen. Ich habe eine Menge schwuler Freunde und ein Freund von mir macht mir eine Menge Kontakte zu Leuten. Ich habe einige Songs die sie sehr mögen. Ich habe eine kleine schwule Fangemeinschaft in den USA, die lieben einfach meine Songs. Super! Bringt meine Sachen in die Clubs, in die ihr geht und macht sie bekannt – let the DJ play!

Big Up! Du hälst also nichts von der allgemeinen Dancehall-Haltung gegenüber Schwulen? Würdest du in Jamaika zugeben, dass du auf einem Gay-Festival gespielt hast, bzw. würdest du davon erzählen?
Cecile: Ja, natürlich! Offensichtlich kennt ihr mich nicht besonders. Ich bin dort bekannt für solche Sachen, ich bin ein Freak in Jamaika!
Ich meine, ich habe direkt mit “Changez” angefangen und eine Menge Leute hat gedacht, ich würde “ihren” Artist dissen. Unmittelbar danach habe ich meinen Baby-Song gebracht und alle waren total entsetzt, ihr wisst ja, wie alle behaupten, dass sie so etwas nicht tun. Vor allem die Männer haben sich aufgeregt.
Es ist jetzt 2005 und ich versuche nicht, zu lügen, ich versuche, meine Musik zu verkaufen. Ich versuche sie an Schwule und Heteros, Schwarze und Weisse, Christen und Juden zu verkaufen.
Ich stelle zum Beispiel gerne folgende Frage: Wenn du am Sterben wärst, am Ertrinken– und wenn du ein jamaikanischer Mann wärst – und du könntest einen Schwulen davon abhalten dich durch Mund-zu-Mund-Beatmung zu retten, würdest du es tun? Ich glaube wirklich an diesem Punkt würden sie das nicht tun. Deshalb finde ich das alles unnötig. Wenn die Schwulen für ihre Rechte kämpfen und sie an die Öffentlichkeit gehen möchten, und meiner Meinung nach sollten sie das auch tun, sollten sie das tun können. Aber auch jamaikanische Artists sollten das Recht haben, zu sagen was sie wollen. Ich finde es ist falsch, Gewalt an jeglicher Art von Mensch in Songs zu promoten. Aber sie sollten auch die Möglichkeit haben, zu sagen, dass sie Schwule nicht mögen. Ich persönlich mag keine Homosexualität, das heisst aber nicht, dass ich Leute die homosexuell sind, nicht mag. Ich würde darüber auch nicht singen, aber es sollte möglich sein, seine Meinung zu sagen. Ich verurteile auch das missionieren “du sollst den und den verachten, du sollst den und den zusammenschlagen”. Aber wenn es die Meinungsfreiheit für die einen gibt, sollten auch die anderen das Recht haben, ihre Meinung zu sagen.
Ich glaube dieses Thema ware gar nicht so ausgeweitet worden, so dass es in jedem Song heisst “bun battyman”, “bun …”, wenn es nicht so ein cheap forward  wäre. Das sichert dir einfach den Erfolg deines Songs oder auch die Stimmung bei Konzerten. In meinen Songs wirst du nie etwas derartiges hören. Ist mir egal, was die Leute davon halten, ich würde nie so etwas singen. Rein wirtschaftlich ist das natürlich nicht sehr klug, das ist ein großer Konsumentenkreis.
Hier ist eine witzige Geschichte: bei einem Auftritt habe ich “Do It To Me Baby” gesungen und da war dieser - ich rede nicht gerne von Hautfarben, aber um die Situation besser zu beschreiben – weisse Typ, in Deutschland, der schrie “bun bowcat!” (lacht) Unglaublich, ich hab ihm nur gesagt er sollte besser den Mund halten und wovon er denn überhaupt redet. Ich weiss genau, dass das nicht eurer Kultur entspricht, das hat er aus Jamaika. Er sagte es sogar in Patois. Ich frage mich, ob er denn nicht weiss, dass die Hälfte dieser Leute lügt.
Der Einfluss dieser Musik ist sehr stark, wenn sich darunter eine Kultur verändern kann, der diese Einstellung eigentlich nicht entspricht - und das tut sie nicht, das ist eher in den USA der Fall, da gibt es noch einige Gruppierungen, die gegen Schwule mobil machen.
In der deutschen Reggaeszene folgen viele einfach den Vorgaben der Musik. Nimm das Beispiel von vorhin, ich sang “give it to me baby, give it to me baby” und er schrie “bun bowcat” als ob er den Song nicht hören wollte. Viele hier wissen aber auch nicht, was die Lyrics bedeuten. Freunde von mir singen bei ”Drink in a Chichiman bar” mit, aber nur, weil sie nicht wissen worum es geht.
Wie gesagt, ich finde jeder sollte sagen können, was er denkt, Gewalt zu promoten ist falsch und jeder sollte ganz klar unterscheiden, ob er seine Meinung sagt oder zur Gewalt aufruft. Außerdem ist es meiner Meinung nach unnötig, so oft darüber zu singen. In jedem Song und in jedem Konzert geht es mittlerweile darum!
Das gefällt mir an Beenie Man. Er hat sowas eigentlich nicht nötig und ich glaube er versucht dieses Thema zu vermeiden.
Es gibt auch so eine Art Straßenkredibilität, die ich nicht haben muss, die aber viele andere, vor allem männliche Artists brauchen. Mir ist das egal, ich bin sowieso nicht “Straße” und war es auch nie.

Big Up! Ein Konzert von Buju Banton in Deutschland wurde beispielsweise gecancelt, weil der Veranstalter Angst hatte, er würde “Boom Bye Bye” singen. In Deutschland gibt es eine ziemlich aktive Schwulen- und Lesbenlobby.
Cecile: Das ist schonkomisch mit “Boom Bye Bye”. Das ist so ein toller Song! Ich habe jedesmal Lust mitzutanzen, wenn ich ihn auf einem Dance höre, aber ich bin einfach mit der Aussage nicht einverstanden. Ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass er das wörtlich gemeint hat. Der Beat ist einfach heiss und wie er performt. Über Lesben singen die Jamaikaner eigentlich nicht. Sie haben ja selber die ganze Zeit ménages à trois. Ich meine jetzt nicht Buju Banton damit, sondern die jamaikanischen Männer allgemein. Wahrscheinlich haben sie auch was gegen Lesben, aber ganz sicher nicht dagegen, dass Frauen miteinander Sex haben. Und an den Lesben stört sie wahrscheinlich nicht der Akt selbst, sondern der Fakt, dass sie nichts davon abbekommen. Ich würde sogar behaupten, dass in Jamaika noch nie ein Übergriff auf eine Lesbe stattgefunden hat. Die Männer würden eher versuchen sie ins Bett zu kriegen.  

Big Up! Letztes Statement?
Cecile: Ich hoffe ich kann bald mein Album veröffentlichen, aber wenn nicht, kommt auf jeden Fall eine Kollabo mit Timberland raus. Dann ein Song mit Olivia, der Sängerin von d-unit, der auf ihrem Album erscheint. Es steht eine Kollabo mit Shaggy an, es wird also auf jeden Fall einiges passieren in nächster Zeit. (CW/BE)

 

Cecile beim Interview



 
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