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Interview mit Bad Gyal Cecile - Cecile
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Interview mit Bad Gyal Cecile
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Cecile
Big Up! Was hälst du von Köln und den Leuten in Köln? 
Cecile: Ich liebe Köln. ich möchte hier unbedingt ein Restaurant eröffnen! Das möchte ich wirklich, deswegen werde ich auch auf jeden fall alles geben und so schnell wie möglich versuchen einen Deal für mein Album zu bekommen. (lacht) im Ernst, ich liebe Köln sehr, ich liebe die alte Kirche. Ich versuche auch christlich zu sein - kannst du dir das vorstellen? Die Leute lachen mich immer aus wenn ich ihnen das erzähle. Tja! (lacht) 

Big Up! Bist du wirklich religiös? 
Cecile: Ja! Siehst du, da drüben liegt mein Gebetsbuch und die Bibel mit der englischen Übersetzung hinten drin, denn sie ist deutssprachig. Ich reise ja viel herum und sehe viele orte und ich finde überall gibt es ernste Probleme, so schlimme Umstände: Menschen in Afrika leben von nur einem dollar täglich, die UNO sagte, dass sie nur für 3 Mio von 40 Mio Menschen, die mit HIV infiziert sind, Medikamente bereitstellen wollte und hat es letztendlich gerade mal geschafft eine Mio infizierter zu versorgen. Man wird überall und jeden Tag mit diesen Problemen konfrontiert und ich denke wir sind als Musiker und Sänger sehr schnell in diesem Bling Bling Lifestyle gefangen und vergessen dabei unsere menschliche Verantwortung. und ich persönlich fühle mich so schuldig und so mitverantwortlich und ich will helfen. Ich bin schon immer an Schulen gegangen und habe dort kurse gegeben und junge frauen unterstützt und ich bin einer Organisation beigetreten, die sich Hibiscus nennt und von der britischen High Comission unterstützt wird. Die sagen, dass 80% der Einsassen, die wegen Drogenschmuggel in britischen Gefängnissen inhaftiert sind, weiblich und 80% dieser Frauen wiederum Jamaikanerinnen sind.  Wenn ich das höre denke ich immer, dass wir über soviel Scheiss singen und sowas eigentlich wichtiger wäre. Ich glaube wirklich, dass die Leute zuhören würden wenn Bounty und Lady Saw und Beenie wirklich einmal ein paar Themen offen ansprechen würden und das etwas bringen würde. Neulich habe ich ein Tape gesehen "Dancehall girls gone wild" - dazu gibt es eine Story: Ein guter Freund von mir rief mich an und fragte mich ob er ein Oben-Ohne-Foto von mir für ein Tape verwenden könnte, das er veröffentlichen wollte. Ich habe ohne nachzudenken zugestimmt. Aber als ich das Tape gesehen habe - es war schrecklich! Ich weiss nicht, ob ihr schon einmal Filme von Dancehall Girls in Jamaika gesehen habt. Und auch wenn ich über alles Mögliche singe, so bin ich überhaupt nicht und wenn mich jemand begrapscht geh ich in die Luft - ich rauche nicht und ich trinke nicht, das ist nicht mein Style und dann diese Mädels, die keine Unterwäsche anhaben und die kamera hängt nur zwischen ihren Beinen und sie machen richtig eklige Sachen. Und mein Bild auf dem Cover und ich bin auch mit einem Song darauf, da geht es auch um Sex. - Im Ernst, manchmal fühle ich mich schuldig, weil ich denke diese Frauen nehmen meine Texte wirklich ernst. Ich fühle mich wirklich mitschuldig daran und das ist der Punkt wo ich zu dem Schluss komme, dass wir über ganz andere Dinge singen sollten. Diese Dancehall Szene macht mir also mit der Zeit ganz schön zu schaffen, denn ich weiss, dass ich nicht so bin. Ich stelle mir auch Fragen wie die, ob ich dafür verantwortlich bin wenn ein junges Mädchen vielleicht Sex hat, wegen etwas was sie in meinen Songs gehört hat und sich dabei mit AIDS infiziert.  Ich mache mir wirklich jeden Tag viele Gedanken über diese Dinge und ich bin wirklich der Meinung, dass man etwas zurückgeben sollte wenn man selbst gut lebt, und vor allem, wenn man sein Geld in diesem Business verdient.  In Jamaika erschießen sich so viele Leute gegenseitig, so viele Menschen sterben.  Ich liebe beispielsweise Junior Gongs “Jamrock”, ich liebe diesen Song, er ist wahnsinnig gut und sehr gut produziert, aber ich hasse diesen Song, weil er so - wahr ist. Das ist schwer zu erklären, ich würde gerne rüberfliegen und sehen, ob ich nicht Bounty und Beenie, Lady Saw und andere Artists dazu überreden kann, zusammen mit mir Stellung zu manchen Themen zu nehmen.  Ich weiss nicht, Shaggy macht ja sonst noch sehr viel, der macht wirklich sehr viel, gerade für Kinder - es ist ehrlich unglaublich wieviel er tut, und dabei redet er kein bisschen darüber. Und natürlich gibt es Andere, die etwas tun. Aber ich denke, manchmal bedeutet Hilfe nicht nur Geld.  Ich möchte auch in das Gefängnis gehen und mit diesen Frauen reden. Ich glaube, wenn man immer über diesem Luxuxsleben singt, ihnen dieses Bling Bling Leben vorlebt, ist es schwer ihnen zu sagen "du sollst keine Drogen schmuggeln", wenn sie aus armen Verhältnissen kommen.  Sie schmuggeln ja keine Drogen weil es ihnen so gut gefällt, sondern weil sie Geld brauchen. Und wenn die Medien sie die ganze Zeit mit unserem Superleben konfrontiert, mit dem neuen Auto, das man haben muss und tollen Klamotten, die man haben muss. Vielleicht versuchen sie einfach zu sehr wie wir zu sein. Ich kannt eine frau, die einen ganz anderen Hintergrund hatte: sie hatte ein Haus, das sie schon teilweise abbezahlt hatte, aber dann zu verlieren drohte. Ein Typ hat ihr angeboten, ihre Schulden zu bezahlen, wenn sie für ihn ein Paket nach England mitnehmen würde. Er erzählte ihr, dass man dort Frauen nicht ins Gefängnis schickt, wenn sie erwischt werden. Er hat sie ganz frech angelogen. Er sagte ihr, sie würden sie nur zurückschicken nach Jamaika - 5 jahre hat sie bekommen! Meine kleine Bibel hilft mir also, Versuchungen zu widerstehen. Weisst du, manchmal juckt es mich in den Fingern, den einfachen Weg zu gehen und etwas zu schreiben, was todsicher Geld bringt. Aber das tue ich nicht mehr.  

Big Up! Ein eigenes Restaurant?
Cecile: Ja, ich möchte eine Restaurant-Kette. Eins hier, eins in London und wo es sonst noch Sinn macht eins zu eröffnen.
Dann möchte ich auch gerne Kinder haben. Dafür muss ich allerdings allem Anschein nach am besten Eier einfrieren oder so. Ich möchte jetzt eigentlich erstmal 5 Jahre lang richtig hart arbeiten. Sobald ich aus diesem Vertrag raus bin und richtig, richtig loslegen kann und richtig, richtig arbeiten kann. Dann würde ich mich gerne richtig, richtig jung zur Ruhe setzen. Nein wirklich, ich möchte zunächst mal einfach das Leben genießen, ein bisschen rumkommen und so. Aber dann möchte ich auch Projekte für Kinder in Jamaica unterstützen und ich würde gerne in einem anderen Land  für ca. 6 Monate im Jahr ehrenamtlich arbeiten können. Das ist mir wirklich wichtig, mein Leben hat schließlich einen Sinn.
Ich meine, ich stehe wirklich sehr auf Dancehall Music und ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen ganz damit aufzuhören. Was heisst Dancehall - ich liebe einfach Musik. Ich kann nicht sagen an welchem Punkt für mich Musik zum Gospel wird. Ich belüge mich selbst nicht, Gott kann man nicht belügen. Ich sehe keine Möglichkeit diese Pläne in der nahen Zukunft zu realisieren, aber ich glaube fest daran. Für mich besteht Glaube nicht darin, in die Kirche zu gehen, sonder darin, Menschen zu helfen. Und das möchte ich tun.
Wisst ihr, ich stehe trotzdem auf Gucci, Fendi und Chanel, das kann ich wohl nicht lassen. Aber ich möchte das etwas ausgleichen. Ich könnte nicht nur in Luxus leben. Ich glaub ich könnte noch nicht einmal so richtig reich sein. Im Ernst, ich würde mich so schuldig fühlen! Ich könnte niemals 50 Mio USD besitzen, ich würde 25 bis 30 Mio  davon verschenken.
Ich bin ausserdem eine Person, die ihre Gedanken und Gefühle gerne zum Ausdruck bringt. Ich bete gerne. Ich würde gerne in einem anderen Sinne beten und anderen Menschen erzählen, was ich Gutes tue, so dass es andere davon überzeugt Gutes zu tun. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, gute Taten in Songs publik zu machen. Ich meine, wir vermitteln all die Bad Songs, was wir für Klamotten tragen und auf welche Partys wir gehen. Wieso sollte es verkehrt sein, auch über die guten Dinge zu singen, die wir tun.
Naja, aber wie gesagt, möchte ich auch mein Leben genießen können, Domino und Scrabble mit meinen Freunden spielen. Ein Freund von mir sagt immer “Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter”. Das sollten wir alle beherzigen.


Big Up! Wieviel schreibst du über dein echtes Leben in deinen Lyrics?
Cecile: Wenn ich über mein Leben schreiben würde, ware das wahrscheinlich ziemlich langweilig. Aber ein ganz klein wenig – lass mich überlegen ob mir ein Song über mich einfällt. Meine Gedichte sind auf jeden Fall persönlicher.
“Do It To The Big” war nicht wirklich über mich, aber es geht um etwas, was ich sehr satt hatte. Warum sagen sie in der Dancehall “Hands up …”? Ihr wisst worum es da geht? Die Frauen heben schon keine Hände mehr in die Luft, nur noch die Männer. Die Hälfte von denen sollte sie auch nicht oben haben. Die Frauen tanzen nur. Dieser Song handelt also nicht direkt von meinem Leben, aber von Situationen, die ich kenne. Frauen reden eben miteinander. Es ist so witzig, stell dir ein Pärchen auf einem Dance vor, die Frau denkt sich nur “Warum hat der jetzt seine Hand in der Luft? – Nimm deine Hand runter!” So bin ich auf diesen Song gekommen.
 
Big Up! Du hast schon mit vielen Artists zusammengearbeitet. Mit wem war die Zusammenarbeit am besten? 
Cecile: Shawn Paul, Beenie Man und Shaggy. Mit Shaggy habe ich oft zusammengearbeitet, er ist ein sehr guter Textautor. Und Shaggy ist richtig cool, erst recht wenn man ihn etwas näher kennen lernt! Ich habe fünf Stücke mit ihm gemacht, weil er mich auf sein Album bringen wollte, er war sehr von meinem style überzeugt. Neulich hat er mich gebeten einen Song für ihn einzusingen, ”ManaMana”. Ich hatte diesen Song nicht geschrieben, er hatte ihn geschrieben. Kurz darauf klingelte das Telefon. Es war seine Plattenfirma, die mich nach meinem Namenund weiteren Infos für die Veröffentlichung fragte und sagte Shaggy hätte mir 20% an diesem Song gegeben. Er hat mir die  20% wirklich geschenkt! Shaggy ist einfach so, egal wie reich er ist. Er kümmert sich sehr um die Leute mit denen er arbeitet. Mit Shawn habe ich nicht nur die Kollabo zusammen gemacht, sondern wir waren auch auf Tour zusammen, er ist auch sehr cool, wir haben uns gut verstanden. Und Beenie Man ist für mich der ultimative Dancehall Artist. Er ist wirklich der King of Dancehall! Und wenn ich sage Dancehall, dann meine ich “Daancehaall”, so wie er es sagt. Das kann ihm wirklich keiner absprechen. Wisst ihr, mit wem es sehr lustig ist, zu arbeiten? Merciless. Du lachst dich tot, er macht die ganze Zeit stimmen nach und reisst Witze. Er ist total verrückt! Du kannst nicht mehr vor lachen.  Wo verbringst du den grössten Teil deiner Zeit, in Europa, in Jamaika oder in den USA? Vielleicht am ehesten in Jamaika, denn dort verbringe ich auch meine freie Zeit. Man könnte sagen, Jamaika, USA, Europa, in dieser Reihenfolge. Miami ist einfach so nah, da fliege ich schon mal einfach so hin zum chillen. Es wäre so schön mal in Europa vorbeischauen zu kommen, aber es ist so wahnsinnig weit. Ich habe Rodney schon gesagt, das ich unbedingt auch mal auf Urlaub herkommenmuss, ich komme immer nur zum arbeiten hierher. Ich muss hier wirklich mal ein bisschen auf Parties gehen, die Szene kennenlernen, die Dances. Aber ich gehe auch auf Raves, glaubt nicht, dass ich nur auf Dancehall Parties gehe. Die ganzen Jungs auf Extacy, das schaue ich mir gerne an. Es ist schlecht für sie, aber wenn sie Lust drauf haben… Verrückt.



 
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