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Interview mit Bad Gyal Cecile - Cecile
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Cecile at Party Cecile in Cologne Party
Big Up! Was hälst du von deutschen Sängern und Produzenten? 
Cecile:Ich finde sie machen einige der heissesten Beats! wie heisst dieser eine typ der den teddyo Riddim benutzt hat? Er kommt aus Köln, macht sonst eigentlich eher R&B und wird auch eher in R&B Clubs gespielt so wie “Hot Like Me” auf dem Regular Riddim, das läuft da ständig und natürlich die Sachen von Shawn Paul und der Coolie Dance. Er kannte mich noch nicht mal vom Reggae her, sondern aus den R&B Clubs. Mein Style hat ihm gefallen, wenn ihr wollt können wir nachher mal anhören, was ich für ihn gestern aufgenommen habe. Dann habe ich noch Sachen mit humecto gemacht. Ich weiss, er ist in der Dancehall  Szene nicht wirklich bekannt. Für Mono und Nikitaman habe ich Sachen gemacht. Außerdem arbeite ich natürlich mit Pioneer von Germaican Records und mit Pow Pow habe ich gearbeitet - und nicht zu vergessen den Senorita Riddim für Kingstone, den Track mag ich besonders. Ich mag auch den Vibe hier. Die Leute bemühen sich sehr um ihre Produktionen und um die Wurzeln der Musik, die ja keine deutsche Musik ist. Sie bringen der Reggae Musik viel Respect entgegen und versuchen sich in sie hineinzuversetzen, so dass ich es fast schon ironisch finde, weil sie eigentlich so produzieren wie wir produzieren sollten. Und sie promoten sich sehr gut. Ich bewundere es wie sie arbeiten und auch wenn mehrere Sänger über einen Riddim singen, veröffentlichen sie nicht gleich 20 oder 40. Damit müssen wir wirklich aufhören in Jamaika, das behindert uns nur. Dazu kommt, dass nur noch massenhaft produziert wird und nicht mehr auf Qualität geachtet wird. Manchmal gehen wir regelrecht auf Jagd, um auf so viele Riddims wie möglich zu kommen, und es ist völlig unmöglich in kürzester Zeit dafür fünfzig gute Songs zu schreiben.  So viele Songs von einem Riddim kauft ja sowieso keiner, das kann sich ja auch keiner leisten - wäre ja auch sowieso Quatsch.   Oft genug macht es den Riddim auch nicht mehr besser wenn ein Antony B. oder Sizzla drüber singt.  Ja, allerdings muss man auch bedenken, dass man in Jamaika kaum Airplay im Radio bekommt wenn man nicht auf jedem Riddim ist. Dazu kommt noch, dass die discjockeys in Jamaika alle auch produzieren und sie lassen genauso 50 Leute über ihre Sachen singen. Ich finde erstens sollten sie gar nicht selbst produzieren und wenn sie schon selbst produzieren müssen, dann sollten sie es wenigstens anständig machen. Manchmal erpressen sie dich, und wenn du dann nicht über ihre Produktionen singst, spielen sie deine eigenen Sachen nicht im Radio. Das ist alles sehr Schade, weil unsere Musik meines Erachtens so viel Potenzial hat.  Gerade war ich für ein Konzert in New York, beim Greek Fest ...beach, Long Island am Samstag und ich sage euch, die Hiphop Artists die sie dort hatten waren zwar keine Puffys oder Jay-Zs, aber sie waren wirklich gut - trotzdem liefen alle nur auf und ab. Aber kaum fingen sie an Reggae zu spielen, liefen alle zur Bühne, es war unglaublich! Jeder Einzelne! Diese Musik hat so viel Kraft, aber wir selbst nutzen sie nicht.  In den meisten Dancehall Lyriks geht es um Sex, Kriminalität und Drogen.   ... und Battyman, Knarren...                                                                                                

Big Up! Wie stehst du dazu? Wie sehr stehst du hinter deinen eigenen Lyriks? 
Cecile: Naja, wie ich schon sagte, muss man bei gewissen Themen bleiben weil man sonst nicht gespielt wird. Ich erinnere mich daran, wie ich einmal auf der Bühne einen Song über häusliche Gewalt performte, die Mädels im Publikum machten sehr klar, dass sie so etwas überhaupt nicht hören wollten. Und das obwohl ich auf ihrer Seite war, ich ergreife ja nicht Partei für die Männer, sondern für die Frauen! Sie wollten einfach nichts davon hören. Ich selber höre gerne Lauryn Hill oder Miss Dynamite und ich würde mich gerne selbst auf diese Art ausdrücken. Deshalb will ich ja auch unbedingt mein Album rausbringen, weil ich auch ein bis zwei solcher Tracks dabei haben will. Wenn man ganz ehrlich ist, muss man sagen, dass man nur Dancehall machen kann, wenn man seine ganze person anpasst, so wie es Tanya Stephens gemacht hat. Es ist als bestünde sie aus zwei ganz unterschiedlichen Personen, wobei man die Eine mit der Anderen überhaupt nicht in Verbindung bringt. In Jamaika heisst es in der Dancehall Szene nur, dass sie jetzt eben diese Songs singt und es kommt ein bisschen komisch rüber, aber das ist alles.  Es sollte allerdings nicht notwendig sein sich zwei verschiedene Persönlichkeiten aufbauen zu müssen, es sollte auch im Dancehall möglich sein über alle Themen zu singen.  Eine menge weiblicher Artists verändern sich zumindest nach aussen hin, um ihre Erfolgschancen zu erhöhen, vor allem wenn es am Anfang nicht so gut geklappt hat. Sie müssen so und so aussehen und so und so singen, deswegen finde ich das ja so einschränkend. Dazu kommt dass ich es zum Beispiel ablehne über Weed zu singen, deshalb singe ich auch so viel über Sex. Ich habe eben noch nie geraucht oder Alkohol getrunken. Ich könnte vielleicht vom Schriftstellerischen her noch ein oder zwei Songs über Weed zusammenkratzen, aber ich habe gar keine Lust darüber zu singen und auch nicht über Knarren,da bleibt irgendwie nicht mehr viel Anderes übrig. Und das bei der Menge anderer Themen über die man Lyriks schreiben könnte!  Das Tempo der Riddims ist aber auch etwas ausschlaggebend - in Jamaika wird momentan alles immer schneller, du kommst garnicht mehr hinterher. Die Männer tanzen noch nicht einmal mehr mit den Frauen, sie tanzen nur noch wie in den Videos und haben die engeren Hosen an, da sind die Mädels überflüssig.  Warst du schon einmal bei einem Dance in Deutschland bei dem du nicht aufgetreten bist?  Nein, aber ich sehe den Unterschied bei den Parties wenn ich auftrete. Ich performe in Deutschland zwar länger, aber die Show ist viel weniger kraftraubend als in Jamaika, also kann ich nach der Show noch abgehen mit dem Selector und ein bisschen tanzen. Es macht mir Spaß wie das hier abläuft. Und es ist immer wieder beeindruckend für mich, wie sehr sich die Leute hier mit einer Musik und einer Musikkultur identifizieren, die von so weit her kommt. 

Big Up!Wo glaubst du kommt deine Musik am besten an, in Jamaika, Europa oder in den USA?  Wo geht das Publikum am meisten ab auf deinen Konzerten? 
Cecile: Ich würde sagen ich bin in Jamaika sehr gut bekannt. Denn auch wenn ich vielleicht nur 2 Songs im Jahr rausbringe, sind diese Songs immer so kontrovers oder irgendwie so verrückt, dass die Leute mich im Gedächtnis behalten. Aber ich werde auch nicht wirklich als Dancehall Artist gesehen.Ich habe ja vorhin schon versucht zu erklären wie die Leute Dancehall sehen und welche Maßstäbe sie anlegen. Sie sehen, dass meine Songs anders sind und ich versuche ja in der Tat anders zu sein. Ich versuche, auch über andere Themen zu singen und das ist für die Leute kein authentischer Dancehall. In den USA bin ich eher weniger im Hardcore Reggae Segment beliebt. Außer natürlich bei den Frauen, Frauen lieben einfach meine Musik, weil ich über Dinge singe, die sie hören wollen. Aber die Hardcore Dancehall Typen sagen nur freak that wenn sie das hören. Es ist schwer zu sagen, ich sage nicht gerne ich bin beliebter auf dem "weissen" markt, das trifft es auch nicht ganz. Vielleicht könnte man eher sagen, dass ich bei den Leuten bekannt bin, die nicht wirklich Dancehall hören, aber trotzdem zum Beispiel Shawn Paul, Shabba oder Shaggy. Ich habe immer wieder Shows in Clubs wo nur Weisse sind, dann aber auch wieder in Clubs mit Afroamerikanern - ich weiss nicht, was für ein Markt das genau ist. Dafür, dass ich nicht so viele Songs veröffentlicht habe - ich habe schon eine Menge Songs, aber eben nicht so viele wie alle anderen - bin ich ansonsten hier in Deutschland etwas beliebter als in Jamaika. die Leute hier schätzen eher was ich machen will als die Leute in Jamaika. Deswegen gehe ich auch gezielt auf den Markt hier, denn die Leute in Jamaika kaufen meine Sachen nicht. Ich kann nicht ewig singen was mir dieses Dancehall Image in Jamaika vorschreibt, wenn ich nicht dahinterstehe. Ich will die Möglichkeit haben zu singen was ich will, genauso wie die Leute, die denken Dancehall gehört ihnen und diese Maßstäbe anlegen.



 
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